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Lyrisches

StrandAtlanticCR

Anmerkung:

Ich habe viele Texte in meinem Leben verfasst. Die Lyrik zählte schon immer zu meinen Passionen, das Schreiben diente wohl zeitweise auch der Kompensation…
Ich würde niemals den Anspruch erheben, ein „Literat“ zu sein, aber die hier veröffentlichten Texte – vor allem auch einige deutlich erkennbar ältere “ Jugendsünden“ – erscheinen mir aus unterschiedlichen Gründen lesenswert, mögen sie auch Manchem als zu einfach, dilettantisch, skurril oder intim erscheinen. Aber sie haben alle einen ´spannenden´ Hintergrund, ihre Geschichte - und sie kompromittieren höchstens mich selbst. Deutungen und Interpretationen, evtl. Personenbezüge, sind reine Spekulation.
Also lesen, aus Spaß an der ( Schadens?)Freud oder Neugier!
Bitte Urheberrecht beachten!

Corona

Der Tod ist fast schon ein Vertrauter von mir geworden.
Ich bin ihm unerwartet mal wieder begegnet
und wir sind uns dabei recht nahe gekommen.
Stets hat er mich angeschaut, meist hart geprüft,
aber immer mit einer neuen Erfahrung durch seine Pforte,
die ich so sehr mag, entschlüpfen lassen.
Angelächelt hat er mich nie
und allein schon deshalb hab ich ihn nicht lieb gewonnen.
Ich fürchte, er wird sich noch ein wenig gedulden müssen,
aber leider wird er mir noch einmal begegnen.
Bis dahin aber, da bin ich mir ganz sicher,
wird er auf einen harten Gegner treffen.
Immerhin; die Angst vor ihm ist mir längst vergangen,
denn ich kenne ihn eben.

Sehnsucht

Statt Methoden zu suchen,
um die Sehnsucht zu verhindern,
gehe auf sie zu, mit offenen Augen,
registriere sanfte Berührungen im Vorübergehen,
zärtliche Blicke der Bestätigung
und kaum merkliche Worte voller Liebe.

Glück

Etwas, das man schlicht ergreifen muss?
Etwas, das man gleich verstehen muss?
Alles, was man erst entdecken muss?
Alles, was man sich erträumen muss?

Etwas, was man sich verdienen muss?
Etwas, was man nicht vorbei ziehen lassen muss!

Vergessen

So ziemlich Alles kann man kaufen,
nur keine Taschentücher mit deinem Geruch.

Dann könnte ich dich bei Bedarf entfalten
und um ein wenig leichter so vergessen.

Zwiespalt

Lass´ uns ein Bild voneinander malen,
du von mir und ich von dir –
und wir werden uns mit anderen Augen sehen.

Lass´uns ein Lied miteinander singen,
du mit mir und ich mit dir –
und wir werden ein Ohr füreinander finden.

Lass´uns einen neuen Weg miteinander gehen,
du mit mir und ich mit dir –
und wir werden ( wieder ) einander näher kommen…

Doch bevor wir malen und singen und miteinander gehen,
überlegen wir noch, ob wir es überhaupt versuchen sollten.

Was ich so tue?

Mein krankes Bein wirkt wie ein Korsett,

Infusionen tropfen Visionen in mein Hirn.

Ich liege ruhig auf meinem Lager,

sinniere über Tage voller Liebe,

Empfindsamkeit und stillem Glück.

Entspannt skizziere ich gewagte Bilder

von kommenden schönen Tagen im Alter,

die noch zu vollenden sind.

Pinienzapfen

Eine Blume hab´ich gefunden
– sie war ein wenig wie du –
ich wagte nicht sie zu pflücken.
Vielleicht wollte auch sie es nicht.

Nun blüht sie in mir als bleibende Erinnerungen
und verdorrt somit dennoch nicht.

Berührungspunkte

Ein Gruß ohne viel Drumherum,
ein paar Worte der Aufmerksamkeit,
ein Satz, der ein Blick sein könnte,
ein Abschied, der doch nie endet,
ein Einfall, der deinen Körper berührt,
eine Geste, die dich unvermutet trifft,
bereiten verstohlene Freude –
von wem auch immer sie seien.

Blockiert

Könnte ich daran glauben,
dass im Wein die Wahrheit läge,
so betränke ich mich stündlich.
Aus glasigen Augen, aber wissend,
durchbräche ich mit dir das Trauma
der Ersetzbarkeit.

Ich könnte in dein Herz sehen
und an dich glauben.

Kopfsalat

Als wir einmal miteinander waren,
hab´ ich plötzlich laut Herein gerufen.
Als wir gerade ineinander ruhten,
hatte bei einem wieder der Kopf Eintritt verlangt.

Launen der Natur

Als ich mit dir im Schnee spazieren ging,
wählte ich mir aus deinen Tugenden die Sanftheit aus,
formte mit dir gemeinsam daraus eine feuchte Kugel,
suchte deine Lippen und hoffte, dass wir so zusammenfrören.

Allerlei Unmöglichkeiten

Ihr hättet dabei sein sollen.
Ihr hättet es sehen müssen.
Ihr hättet mitmachen sollen.

Beim nächsten Mal müsst Ihr…

Wir hätten dabei sein können.
Wir hätten es sehen können.
Wir hätten mitmachen können.

Beim nächsten Mal werden wir…

Ihr wärt dabei gewesen.
Ihr hättet es gesehen.
Ihr hättet mitgemacht
und alles wäre beim Alten geblieben.

Klischees

Wir waren doch auch mal jung,
das ist halt so,
das ist der Lauf der Welt –
Wir sind doch auch nur Menschen –
jeder macht mal einen Fehler, denn
im Grunde wollte er doch nur..
genau genommen, im Großen und Ganzen
und eigentlich…
Du darfst nicht alles so schwer nehmen.
Wir haben ja so viel Verständnis –
aber irgendwo zu unserer Zeit.

Quadratur des Kreises

Viele Lebenskreise gleichen einem polygonen Gebilde,
keinem Viereck jedenfalls, vielleicht einem Triacontagon ?
Die Anzahl der Ecken bleibt sicher jeweils ungewiss,
doch unregelmäßig und überschlagen ist das Gebilde,
mit einigen äußerst spitzen, aber zum Glück meist sanfteren Winkeln.

Ein Kreis verkörpert eine gewisse Kontinuität in seinem linearen Verlauf,
doch so manches Leben verläuft in kleineren und größeren Schleifen.
Durch Selbstzweifel, offene Fragen und Unerwartbares gerät man in Sackgassen,
aus denen man sich, durchaus mühsam, mit einem positiven Schub befreien muss.

Mir selbst fehlt wohl der Schlüssel zu vielen mir eigentlich offenen Türen,
aber immer häufiger finde ich einen passenden Zugang,
denn unnötige Zweifel daran bauen sich stetig schneller ab.

Ein Mensch mit Polygon hofft auf die positive Wende,
denn glücklich leben lässt es sich mit ihm sehr wohl.

Am Ende schließt sich allzumal der Kreis.

Zu nahe

Bin ein leicht verletzbarer Ikarus
mit unsichtbarer Blessur,
schwebe zu allem Übel –
doch meinem Glück –
auch noch auf Wolken,
denn wir sind einander
zu nahe gekommen, und
haben uns nur dabei verletzt.

Persönlich

Bist eine Tänzerin ohne fette Hüften,
deine Seele ist stets ein wenig lasiert,
die Sonne verdrängt den Hauch deiner Kälte kaum,
du seltsame Melange aus Bekanntem –
schön, bedrückend dein Duft, dein Blick, deine Worte,
zerbrochener Sätze voll phantastischer Ideen.

Du nimmst was dir zukommt, gibst selten,
doch blaue Flecken auf deiner Seele blühen bisweilen auf,
wandeln sich urplötzlich gegen das Erwartete.
Du Aussätzige unter den Fröhlichen erwachst,
zeigst kurz dein Inventar aus Erinnern und Begehren,
merkst dennoch nicht, dass man stets auf dich gewartet hat.

Bleibst eine Tänzerin mit äußerst schmalen Hüften.

Berührungen

Berühre zaghaft Knospen, die sich mir entgegen strecken,
weine sanft Freudentränen in eine offene Hand,
ergieße Zärtlichkeit in einen ehrlichen Bauch,
in einer Ohnmacht, die ich einfach mag.

Tatkraft

Gesagt ist gesagt!
Gedacht ist gedacht!
Getan ist getan!

Gedacht, gesagt, getan?

Nachtruhe

Nachtwerden
Nachtmenschen mitternächtlich,
nacheinander Nachtprogramm, Nachtmusik, Nachttopf,
nach Nachtgebet Gute Nacht,
Liebesnacht?
Nachteinandeer nachtschlafend,
Nachtruhe, Schlaf der Erschöpfung.

Noch nächtlich Nachtschatten,
Nachtwandeln, nachtblind,
Nachtfragen nachlaufen nächtelang,
irgend eines letzte Nacht,
ein Wasserhahn tropft Nachtruhe –
Nachtruhe übernächtigt.

Liebe

Bist wie Musik in meinen Augen,
ausgebreitet auf dem Canape´,
bringst mir durch dein sanftes Saugen
Lebenslust und Colore´.

Lässt erschaudern mich und leise zittern,
weckst im Innern das, was aufersteht,
nahes Glück kann ich an dir stets wittern,
nie ein Gefühl, dass nichts mehr geht.

Löst den Nebel auf in meiner Phantasie,
schenkst mir statt dessen Wolllust ein wie frischen Wind,
und greif´ ich zärtlich zwischen deine Knie,
fasst du mich an und trägst mich fort geschwind.

Selbstmitleid

Die Kerze ist erloschen?
Der Sauerstoff verbraucht?

Nun denn, und wird’s dir auch zur Qual,
so musst du halt vom Stickstoff leben!

Trennung

Sag´
was
zu sagen ist,
was, nur
sag´was
Du –
sag´was!

Was sag´ich,
sag´ich
was, nun
sag´ich
etwas, nur –
was?

Man sagt was
zu sagen ist,
etwas
sagt man zu
jemandem,
sagt etwas – und
jemand
geht.

Sommeranfang

Auf der Treppe schaue ich dir nicht mehr ins Gesicht,
statt Zeit teilen wir plötzlich nur noch Erinnerungen.
Der Gegenwind wird unvermittelt stärker.
Vogelgezwitscher, ein leeres Bett, Frösteln und Fünfuhrsieben,
streifend in Gedankengebäuden mit Begleitung von Blasmusik,
erwacht der Alltag mit einer neuen Innenausstattung.

Politik

Politik, so sagt man, sei die Kunst des Möglichen.
Wie aber kommt es dann, dass man die Resultate nicht versteht?

Paris

Dein unverhüllter Anblick, allerwerteste Mimose,
und sei´s auch nur in meiner Phantasie,
weckt Freudentränen tief in meiner Hose,
wenn in der Metro deiner ich gedenke
und dabei aktiv mich verrenke.

Winteranfang

Immer, wenn es Winter wird, frage ich mich,
ob es auch in den Herzen der Menschen weiß wird.

Kategorische Wende

Der Geruch eines Menschen,
so hattest du dir immer gesagt,
sei deine zentrale Kategorie.

Der Geruch eines Menschen,
so hatte er dir immer gesagt,
sei seine zentrale Kategorie.

Nun hast du jemand Anderes lieben gelernt,
und der sagt dir, dass es ihm stinke.

Kreislaufbeschwerden

Immer , wenn er kalte Füße bekommt,
wird ihr sehr warm ums Herz.
Wird ihr dann warm ums Herz,
ist sie es, die kalte Füße bekommt.
Spüren sie dann beide ihre kalten Füße,
rücken sie manchmal einander etwas näher.

Gedanken im Alter

Das Glück scheint bisweilen eine launische Göttin zu sein.
Sie gibt mir genügend freie Zeit und reichlich schöne Tage
und schenkt mir die seltene Gabe, diese mit großer Energie,
Ideenreichtum, Genuß und Zufriedenheit zu füllen.
Sie schenkt mir auch den Wohlstand und die nötige Gesundheit.
Leider aber - man kann wohl doch nicht alles haben -
schenkt sie mir eben, zu meinem Leidwesen und Verdruss,
kein mich liebendes Herz im Alter.

Gerüch(t)e

Heute – ausnahmsweise mal wieder –
beißender Gestank in meiner Umgebung.
Doch Fäkalien und Lebensangst in meinem Kopf
lasse ich einfach nicht mehr zu.
Und ruhig schlafe ich ein.
Weiter so!

Flug über Salto
F
Bschlaps4